Responsive Webdesign in Abhängigkeit von Art, Inhalten und Zielen einer Website

Ob eine mobile Website separat oder als Responsive Website umgesetzt werden sollte, hängt u.a. auch von dem Ziel ab, das verfolgt wird. Eine Zeitungswebsite wie beispielsweise WN.de verfolgt andere Ziele als ein E-Commerce Anbieter, wie beispielsweise der Online-Versandhändler Zalando.de. Die unterschiedlichen Konsequenzen für die mobile Website lassen sich am besten anhand von Beispielen erläutern [vgl. Kriterium 1]:

Zeitungs- und Nachrichtenwebsites

Das Ziel einer Zeitungswebsite liegt vor allem darin, dem Leser auf möglichst allen möglichen Endgeräten ein angenehmes Leseerlebnis zu bieten, ihn damit lange auf der Seite zu halten und möglichst zum Wiederkommen zu bewegen. Schließlich verdient ein Verlag durch die Einblendung von Werbeanzeigen oder durch kostenpflichtige Inhalte (Paid Content) (vgl. Malcher 2012). Zudem erwarten insbesondere Besucher einer Nachrichtenwebsite, dass sie auf der mobilen Variante dieselben Inhalte finden wie auf der Desktop-Variante. Die Behauptung von Usability-Guru Jacob Nielsen, dass Inhalte auf einer mobilen Website deutlich reduziert werden sollten, wird von vielen Fachleuten in Frage gestellt, besonders da seine Erkenntnisse auf Untersuchungen aus den Jahren 2009 und 2011 beruhen, als die Technik von Smartphones und Tablets noch nicht so weit fortgeschritten war. Es gilt als „Mythos des mobilen Webs“, dass Nutzer mobiler Endgeräte nicht auf alle Informationen und Möglichkeiten zugreifen wollen, die auch Desktop-Nutzern zur Verfügung stehen. Demnach kann Responsive Webdesign eine durchaus interessante Alternative für Zeitungswebsites darstellen – zumal zahlreiche große Printtitel wie beispielsweise das TIME Magazin, die Boston Globe oder die Metro inzwischen bereits auf diese Technologie setzen (vgl. Frost 2012b; Clark 2012, S. 10–12; Nielsen et al. 2012, S. 18,26; Phillip 2013; BostonGlobe.com 2014; Metronews.ca 2014; Time.com 2012).

Internet-Versandhändler/E-Commerce-Websites

Das Ziel eines Internet-Versandhändlers besteht wiederum darin, eine möglichst hohe Konversionsrate zu erzielen, also möglichst viele Kunden zum Kauf zu bewegen. Ein besonders benutzerfreundlicher Kaufprozess ist dabei nur schwerlich responsive umzusetzen. Hinzu kommt, dass Online-Versandhändler häufig gesondertes Online-Marketing speziell für mobile Endgeräte betreiben. Außerdem ist es einfacher, eine dedizierte mobile Website im Hinblick auf die Performance zu optimieren – gerade im Onlinehandel zählt jede Millisekunde. Zusammengenommen spricht E-Commerce also eher für die Nutzung einer separaten mobilen Website – insbesondere wenn diese an eine gesonderte Marketingstrategie gekoppelt ist (vgl. Fay 2014; Voelcker 2013; Baumgartner 2013) [vgl. Kriterium 2]. Sowohl Ebay, als auch Amazon und Zalando betreiben gesonderte mobile Portale mit optimierten Prozessen für mobile Endgeräte (vgl. Ringsdorff 2013). Für neue, kleinere Shops kann aber dennoch eine Responsive Website besser geeignet sein, insbesondere wenn der Betrieb einer zusätzlichen mobilen Website nur schwer gestemmt werden kann und ohnehin keine gesonderte mobile Marketingstrategie geplant ist (vgl. Infofactory AG 2013). So stellte das E-Business Magazins t3n.de erst kürzlich fünf anpassungsfähige E-Commerce Websites vor (vgl. Tißler 2013) [vgl. Kriterium 7].

Reine Informationswebsites von Unternehmen, Einzelhandel und Co.

Eine weitere wichtige Website-Kategorie sind Informationsseiten von lokalen Einzelhändlern oder Dienstleistern. Viele Ärzte, Rechtsanwälte, Discotheken und Geschäfte betreiben Websites mit kompakten Informationen über ihr Unternehmen, das Produkt- bzw. Leistungsspektrum, Anfahrtsbeschreibung und ähnlichem (vgl. Fabricius 2013). Der Umfang solcher Websites ist meist überschaubar und lässt sich gut in Form einer Responsive Website realisieren. Starbucks.com beispielsweise wird oftmals als Paradebeispiel für gutes Responsive Design genannt (vgl. Wentworth 2013). Bemerkenswert ist auch, dass der Café-Betreiber den kompletten Styleguide für das Responsive Design der Seite veröffentlicht hat (vgl. Starbucks.com 2013).

Fazit zur Bedeutung von Art, Inhalten und Zielen einer Website für die Technologieentscheidung

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Ziel, das Geschäftsmodell und der Inhalt einer Website, einen wesentlichen Einfluss auf die technologische Entscheidung haben müssen. Ob eine mobile Website nur ein reduziertes Abbild der Desktop-Website sein sollte, ist inzwischen äußerst umstritten. Einig ist man sich darin, dass die Anordnung von Inhalten auf einer mobilen Seite gut durchdacht werden müssen. Da auf kleinen Displays nicht so viel Inhalt im sichtbaren Bereich angezeigt werden kann wie auf Desktop-Geräten, muss priorisiert werden, was oben steht und was nur mittels Scrollen erreichbar ist (vgl. Schade 2014a; Pernice 2014) [vgl. Kriterium 6]. Das bereits im Zusammenhang mit Media Queries erwähnte CSS Flexible Box Layout Module kann dabei beim Responsive Webdesign hilfreich sein. Zudem stellt sich die Frage ob unterschiedliche Marketing- und Contentstrategien auf dem mobilen und stationären Portal gefahren werden sollen. Sollen auf dem mobilen Portal bewusst andere Inhalte dargestellt werden als auf der stationären Seite, spricht dies eher für die Umsetzung separater Websites (vgl. Ghazarian 2014; Butters 2013) [vgl. Kriterium 8].